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Die Berge4 Min. LesezeitGanzjährig

Kri-kri: die Wildziege Kretas, vor unserer Tür

Im August 2026 kamen zwei junge Agrimi zu dem Haus in Livadas oberhalb von Sougia, in dem wir damals wohnten. Eines kam immer wieder an die Tür und schaute herein.

Zwei junge Agrimi zwischen den Wurzeln eines alten Olivenbaums, daneben ein Feigenbaum

An der Tür

Eine Zeit lang wohnten wir in Livadas, einem kleinen Dorf in den Hügeln oberhalb von Sougia. Im August tauchten am Hang hinter dem Haus zwei junge Agrimi auf, zwischen einem alten Olivenbaum und einem Feigenbaum. Eines kam immer wieder an unsere Tür und schaute herein.

Die meisten Agrimi kommen im Mai zur Welt. Unsere waren vermutlich etwa drei Monate alt.

Ein junges Agrimi springt auf eine weiß gekalkte Mauer, ein zweites steht auf einem Felsen darüber
zwei junge Agrimi an der MauerLivadas, August 2026
Ein junges Agrimi klettert einen felsigen Hang unter einem Olivenbaum hinauf
am Hang hinter dem HausLivadas, August 2026

Agrimi oder Kri-kri

Die meisten Besucher kennen das Tier als Kri-kri. Auf Kreta heißt es αγρίμι, Agrimi. Das Wort bedeutet einfach wildes Tier.

Eine Ziege, die wieder wild wurde

Das Agrimi sieht aus wie ein Wildtier und lebt wie eines. Die Genetik erzählt etwas anderes. Studien aus den Jahren 2002 und 2024 zeigen: Es stammt von frühen Hausziegen ab. Menschen brachten sie vor Tausenden von Jahren nach Kreta. Einige verwilderten in den Bergen und blieben dort.

Die Minoer kannten es gut. Ein Steingefäß aus dem Palast von Zakros, entstanden um 1500–1450 v. Chr., zeigt im Relief vier Wildziegen neben einem Bergheiligtum. Heute steht das Gefäß im Archäologischen Museum Heraklion.

Wo das Agrimi lebt

Frei lebt das Agrimi auf Kreta heute nur noch in den Weißen Bergen, den Lefka Ori, vor allem in und um die Samaria-Schlucht. Sein Schutz war einer der wichtigsten Gründe, warum die Schlucht 1962 Nationalpark wurde. Zur Sicherheit wurden außerdem Tiere auf kleine Inseln vor Kreta gebracht: Dia, Agioi Theodoroi und Agioi Pantes.

In ihrem Bericht an die Europäische Union für 2013–2018 schätzte Griechenland den Bestand in den Weißen Bergen auf 800 bis 1.500 Tiere. Die Jagd ist verboten, die Art ist durch EU-Recht geschützt.

Die größten Gefahren sind Wilderei und die Kreuzung mit Hausziegen. Beides geschieht vor allem außerhalb der Schlucht, in den übrigen Bergen.

Waren es reine Agrimi?

Das wissen wir nicht. Livadas liegt außerhalb des Nationalparks, und dort können sich Agrimi und Hausziegen kreuzen. Auf einem Foto lässt sich das nicht sicher erkennen. Für uns sahen sie aus wie Agrimi: sandbraun, schlank und flink auf den Felsen.

Häufige Fragen

Wo sieht man das Kri-kri bei Sougia?

In der Samaria-Schlucht und in den Weißen Bergen darüber. Die Fähre ab Sougia hält in Agia Roumeli am Ausgang der Schlucht. Die Tiere sind scheu, eine Garantie gibt es nicht.

Ist das Kri-kri wirklich eine Wildziege?

Es lebt wild. Genetische Studien zeigen aber, dass es von frühen Hausziegen abstammt, die Menschen vor Tausenden von Jahren nach Kreta brachten.

Ist das Kri-kri geschützt?

Ja. Die Jagd ist verboten, die Art ist durch EU-Recht geschützt, und der Nationalpark Samaria wurde 1962 vor allem zu ihrem Schutz gegründet.