Syia, Lissos, Elyros: die alten Städte unter den Kieseln
Bevor Sougia ein ruhiges Dorf wurde, war es der Hafen der mächtigsten Stadt im Südwesten Kretas.

In der Dorfkirche von Sougia steht man während der Liturgie auf einem Boden, der vor fünfzehnhundert Jahren verlegt wurde. Zwei Pfauen über einer Amphore, einander zugewandt, umrankt von Efeu. An dieser Kirche geht man leicht vorbei. Das wäre schade.
Elyros, die Stadt auf dem Hügel
Auf einem Hügel namens Kefala bei Rodovani, einem Dorf oberhalb von Sougia, liegen die Reste von Elyros. In hellenistischer und römischer Zeit war Elyros die bedeutendste Stadt im Südwesten Kretas, später Bischofssitz. Heute ist der Ort nicht ausgeschildert und zugewachsen. Zu sehen sind eine römische Zisterne, ein paar Mauern – und die Aussicht.
Syia, der Hafen
Elyros hatte zwei Häfen. Der eine war Lissos, weiter westlich an der Küste. Der andere war Syia, das heutige Sougia, an der Mündung des Sougianos, der auch Kamarianos heißt. Ein weiter, geschützter Hafen. Seit hellenistischer Zeit diente Syia als Hafen, eine eigenständige Stadt war es aber nie. In römischer Zeit wuchs der Ort. Noch in frühbyzantinischer Zeit war er eine kleine Provinzstadt, die vom Handel lebte – dank des Hafens und des Holzreichtums. Wahrscheinlich bestand Syia bis etwa ins sechste Jahrhundert. Dann wurde es bei Überfällen der Sarazenen zerstört.
Der Name kommt von σῦς, dem altgriechischen Wort für Schwein. Syia war für seine Schweine bekannt. In Sougia steckt der alte Name, über die Jahrhunderte abgeschliffen. Ein Segelhandbuch der Römerzeit für diese Küste, der Stadiasmus aus dem dritten Jahrhundert n. Chr., nennt den Ort Syva, sechs Stadien westlich von Poikilassos am Kap Trypiti. Im sechsten Jahrhundert beschreibt ihn Stephanos von Byzanz als Hafen von Elyros.
Zu Fuß zum anderen Hafen: Lissos: der Weg, das Theater, das Boot zurück
Im 19. Jahrhundert sah der englische Reisende Robert Pashley hier noch den Aquädukt, die Stadtmauern, die Gräber und die Reste dreier frühchristlicher Basiliken.
Archäologen haben in Sougia inzwischen vier frühchristliche Basiliken nachgewiesen. Zwei davon, B und C, liegen östlich des Flusses. Die beiden anderen, A und D, stehen am Westende des Dorfes.
Was von der Stadt selbst geblieben ist: Das antike Syia, die Ruinen jenseits des Flusses
Das Wasser von Syia
Syia bezog sein Wasser aus einer Quelle bei Agios Pavlos, nördlich von Elyros. Über eine rund 8 km lange Leitung floss es hinunter in die Stadt: etwa 490 m³ am Tag, genug für ungefähr 2.500 Menschen.
Der Kanal war gemauert, mit wasserdichtem Mörtel ausgekleidet und lief auf einer 1,5 bis 2 m hohen Steinmauer. Musste er eine Schlucht überwinden, führte er über eine Wasserbrücke. Vier solcher Brücken gab es. Die ersten Reste liegen bei Moni, 3,2 km vom Dorf entfernt. Heute durchschneidet die Landstraße die Trasse. Am Ostufer des Flusses ist die Mauer noch 5 m hoch.

In der Stadt selbst hat man keine Verteilerbauten gefunden. Das Wasser floss in Zisternen, die die Häuser und die römischen Thermen versorgten.
Ein Stück davon ist bis heute zu sehen. Gehen Sie auf der Straße Richtung Moni aus Sougia hinaus. Etwa zehn Minuten nach den letzten Häusern steht die alte Mauer am Straßenrand.
Der Tag, an dem sich die Insel hob
Am 21. Juli 365 erschütterte ein schweres Erdbeben das östliche Mittelmeer. Der Westen Kretas wurde um bis zu neun Meter angehoben. Der antike Hafen von Phalasarna an der Westküste liegt heute rund sieben Meter über dem Meer. Der Tsunami danach reichte bis Alexandria.
In Sougia hob sich die Küste um etwa sechs Meter. Nach den Resten des Hafens von Syia muss man heute an Land suchen – vielleicht am Ostende der Strandpromenade.
Der Boden von Agios Panteleimon

Die Kirche Agios Panteleimon steht über einer der Basiliken von Syia, der sogenannten Basilika A. Die dreischiffige Kirche stammt aus der Mitte des sechsten Jahrhunderts. Ausgegraben hat sie der Archäologe A. Orlandos in den 1950er-Jahren. Das Mosaik im Mittelschiff und im Narthex wird einer Werkstatt des sechsten Jahrhunderts zugeschrieben. Zu sehen sind Pfauen, ein Hirsch, ein Fisch, efeuumrankte Amphoren und Kreise mit geometrischen Mustern. Der Pfau stand in der frühchristlichen Kunst für das ewige Leben. Auf zwei der alten Säulen rufen griechische Inschriften den heiligen Panteleimon an, den Heiler, und den heiligen Demetrios. Ein Säulenkapitell mit Tauben, das hier gefunden wurde, befindet sich heute in der Sammlung byzantinischer und nachbyzantinischer Kunst in Chania.

Die heutige Kirche ist viel jünger und schlichter: außen weiß, innen eine blaue Decke mit gemalten Sternen.

Ist die Kirche verschlossen, sagen Sie uns im AVYSSOS Bescheid. Wir lassen sie für Sie öffnen.
Diese Geschichten kommen auch in „Die Jagd nach Elyros“ vor, unserem Spiel für Gäste: eine Entdeckungstour zu Fuß durch das Dorf. Es startet, sobald wir eröffnen.
Häufige Fragen
Kann man das Mosaik in Sougia besichtigen?
Ja. Es ist der Fußboden der Kirche Agios Panteleimon mitten im Dorf. Ist die Kirche verschlossen, sagen Sie uns Bescheid. Wir lassen sie für Sie öffnen.
Wie hieß Sougia in der Antike?
Syia. Der Ort war einer der beiden Häfen von Elyros, zur Römerzeit die bedeutendste Stadt im Südwesten Kretas.
Warum heißt der Ort Sougia?
Der Name geht auf das antike Syia zurück, abgeleitet von σῦς, dem griechischen Wort für Schwein. Der Ort war für seine Schweine bekannt. Im Lauf der Jahrhunderte wurde aus Syia Sougia.
Quellen
- Wegweiser und Kartentafel von Chania Trails, Strand von Sougia, beim Café Lotos
- Infotafel „Ancient Syia“ im Dorfzentrum von Sougia, beim Café Roxanne
- Infotafel „Basilika A“ an der Kirche Agios Panteleimon, Sougia
- Syia, Wikipedia
- Basilika Agios Panteleimon, cretanbeaches.com
- Das antike Elyros, meetcrete.com
- Lissos (Kreta), Wikipedia
- Inschriften in der Basilika von Sougia, Cult of Saints, Oxford
- 21. Juli 365, ein Tag des Schreckens im Mittelmeer, GFZ
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